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Die Entstehung des Pfarrsprengels Dietersdorf liegt vollständig im Dunkel der Geschichte. Es ist jedoch anzunehmen, dass Dietersdorf mindestens seit Bestehen einer eigenen Pfarrei
Schwabach, dieser angehörte. Der Schwabacher Pfarrsprengel erstreckte sich auf der linken Seite der Rednitz weit nach Norden bis nach Deutenbach und in die Nähe von Stein.
Im Jahr 1281 verkaufte das Kloster Ebrach den Hopfenmarkt Schwabach samt Zubehör an Kaiser Rudolph I von Habsburg, jedoch mit der Ausnahme der Pfarrkirche Schwabach, des dortigen sogenannten
Klosterhofes und der Dietersdorfer Kapelle mit ihren Einkünften. Wenn das Kloster Ebrach “die Dietersdorfer Kapelle mit ihren Einkünften” ausgenommen hat, so dürfte schon vor dieser Zeit eine eigene Dietersdorfer
Pfründe bestanden haben. Obwohl ursprünglich eine Filialgemeinde der Pfarrei Schwabach, hat Dietersdorf – soweit sich die Nachrichten verfolgen lassen – alle Rechte einer selbständigen Pfarrei genossen. Es mußten
aber sowohl Taufen als auch die Eheschliessungen in Schwabach zur Anzeige gebracht werden.
Schon in mittelalterlichen Zeiten haben Hilfspriester die Filiale Dietersdorf versehen, obwohl ein großer Teil der Bauern reichsstädtisch und nicht markgräflich war. Bei der Einführung der Reformation
konnte das Filialdorf naturgemäß keine eigenen Wege gehen, sondern hat die gleiche Geschichte wie die Stadtpfarrei Schwabach. Schwabach gehörte
zu den Städten Markgrafentums, die frühzeitig – früher als Ansbach selbst – sich dem Geist der Reformation erschlossen. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass es in der Nähe der Reichsstadt Nürnberg lag und schon damals im geistigen und wirtschaftlichen Leben mit dieser verbunden war; sicher hatten auch die Nürnberger Bauern von Dietersdorf und seiner Nebenorten direkten Kontakt mit der Reichsstadt. So dürfte Schwabach auch von Nürnberg den ersten Anstoß zur Teilnahme an der Reformation erhalten haben.
In der Zeit des 30jährigen Krieges und auch danach erlitt die Bevölkerung empfindliche
Verluste. Diese wurden jedoch ebenfalls in der Dietersdorfer Gegend durch vertriebene österreichische Protestanten ausgeglichen, die hier sesshaft wurden. Viele, noch heute vorhandene Namen zeugen hiervon.
Im ersten Ebracher Urbar (= Verzeichnis der Grundstücke) von 1340 sind die großen und kleinen Zehnten und sonstige
Abgaben verzeichnet, die das Kloster aus den Orten der Schwabacher Pfarrei bezog. Hieraus ist zu entnehmen, dass die Filiale Dietersdorf noch folgende Orte umfaßte:
Aichach mit Peterskapelle in der Gemarkung Dietersdorf Ober- und Unterbaimbach Krottenbach Holzheim Nemsdorf Oberwolkersdorf Oberdeutenbach Gerasmühle
Ausschnitt einer Landkarte aus dem Jahre 1740
Der Schwabacher Dekan Jakob Renner verfasste 1623 eine “Matricula des Capituls Schwobach, dessen Ordnung, angehörige Kirchenpfarr und Caplaney samt deren Actis”. Danach waren nach Dietersdorf
eingepfarrt: Seitenanfang
1. Dietersdorf 10 Herdstätten 2. Krottenbach 9 Herdstätten 3. Oberdeutenbach 4 Herdstätten 4. Gerasmühle 1 Herdstatt 5. Der Mühlhof zu Reichelsdorf, darin sind viele Handwerksleut
6. Holzheim 2 Herdstätten 7. Oberwolkersdorf mit Schloss 7 Herdstätten 8. Unterbaimbach 1 Herdstatt 9. Oberbaimbach 8 Herdstätten 10. Nemsdorf 8 Herdstätten
Der Ort Aichach ist bereits vor 1616 untergegangen. Er ist bei der alten Peterskapelle, die in der Dietersdorfer Flur am Weg zwischen Oberbaimbach und Dietersdorf stand, zu suchen. In einem Bericht
von 1616 heißt es hierüber: “Allda ist nichts mehr, denn ein alt gemeuer und steinhauff von einer alten capellen, sonst gar kein haus.” Bereits auf einer Landkarte von 1617 ist nur noch die Kapellenruine
eingezeichnet. Der Dietersdorfer Flurname ‚Kapellenacker‘ erinnert an den untergegangenen Ort und seiner Kapelle.
In der Reformationszeit rückt Deutenbach in den Blickpunkt: Im
Jahr 1526 berichtet der Kastner von Cadolzburg, dass ein “ausgelaufener” Mönch von Nürnberg sich unterfangen habe, einige Sonntage in dem Weiler Oberdeutenbach in einem “Capellein” zu predigen. Nach
der Predigt reise der Mönch immer wieder nach Nürnberg. Dies war jedoch in der Markgrafenschaft verboten. In einem Schreiben an den Dietersdorf auf einer Postkarte aus dem Jahre um 1910 Nürnberger Rat stellten die
Ansbacher die Zugehörigkeit zur
Pfarrei Schwabach ausdrücklich fest und teilten auch das ergangene Verbot für den Nürnberger Prediger mit.
Nachdem im Jahre 1833 der letzte III. Pfarrer von Schwabach, zugleich Pfarrer von Dietersdorf, gestorben war, brachte die Gemeinde den Wunsch gänzlicher Abtrennung von Schwabach und Erhebung
zu einer selbständigen Gemeinde bei den Behörden vor. Als Begründung wurde angeführt, dass der Gang der Gemeindeglieder aus den entfernten Orten zum Pfarramt einerseits, und des Geistlichen zur Gemeinde
andererseits, sehr beschwerlich sein. Da sich die Gemeinde zu Opfern bereit erklärte und auch einen Platz für die Erbauung eines Pfarrhauses kaufen wollte, wurde schließlich mit königlichem Reskript vom 25. Juni
1836 Dietersdorf zur selbständigen Pfarrei erhoben. Es dauerte allerdings eine erhebliche Zeitspanne bis die Mittel für den Bau vorhanden waren. Erst am 29. März 1848 wurde der Grundstein gelegt, der Bau
des Pfarrhauses war im September 1848 vollendet. Seitenanfang
Es ist nahezu sicher, dass die alte Dietersdorfer Pfarrkirche vorreformatorisch war. Diese Annahme stützt
sich auf die Bauart des Kirchenschiffes und des Turmes, der nach oben in die Breite ging. An dem alten Gotteshaus wurden offensichtlich nur wenig Reparaturen vorgenommen, so dass es schließlich baufällig wurde.
Der Kirchenvorstand beschloss bereits im Jahre 1900 einen Neubau. Bei der Planung und Vorbereitung ergaben sich erhebliche Schwierigkeiten, die Grundsteinlegung fand erst am 13.3.1913 statt. Durch den
ersten Weltkrieg wurde zwar die Erbauung der Kirche nicht verzögert, wohl aber deren Einweihung verschoben, sie fand schließlich am 20. Dezember 1914 statt. Der Kirchenvorstand beschloss im April
1915, dass der Kirchweihtag jeweils am ersten Sonntag des Monat Juli gefeiert wird.
Dietersdorf hatte einige Jahre lang zwei Kirchen. Obwohl es möglich gewesen wäre, zumindest den prägnanten Turm zu erhalten, wurde ein Abbruch der alten Kirche angestrebt. Die Genehmigung hierzu
wurde von der Regierung von Mittelfranken im November 1920, wenn auch schweren Herzens, erteilt. So verschwand ein Denkmal und Bestandteil eines Orts- und Landschaftsbildes.
Durch eine Neuordnung wurde im Jahre 1924 Deutenbach ebenso wie Krottenbach und Mühlhof von der
Kirchengemeinde Dietersdorf abgetrennt und den Kirchengemeinden Stein bzw. Reichelsdorf zugeteilt.
Seit dem Jahre 1845 sind einige katholische Familien in dem rein evangelischen Gemeindegebiet ansässig. Nach dem 2. Weltkrieg wuchs ihre Zahl durch die Ansiedlung von Heimatvertriebenen auf 400 bis 500
Gläubige an, so dass ein Kirchenbau unumgänglich wurde. Am 1.10.1954 feierten die Katholiken die
Einweihung ihres Kirchlein St. Hedwig. Seitenanfang
Das Kirchlein gehört heute ebenso zum Ortsbild, wie die evangelische Kirche. Die Bevölkerung von Dietersdorf hat sich im Jahre 1972 im Rahmen der Gebietsreform für die
Eingemeindung in die Stadt Schwabach ausgesprochen. Obwohl nunmehr ein Stadtteil von Schwabach, hat der Ort seinen ursprünglichen Charakter bewahrt.
Die Einwohnerzahl ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Sie betrug am 1.6.99 723.
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